Lost, Season 2
Ob ich noch was anderes mache als Serien gucken? Ich verstehe die Frage nicht…
Auch die zweite Staffel von Lost endete kürzlich, und auch dazu gibt es ein bisschen was zu sagen. Auch hier ist Spoiler-Alarm angezeigt; wer die Staffel also noch sehen will, sollte nicht weiterlesen.
Eigentlich bin ich kein besonderer Freund von Mystery-Serien. Akte X finde ich total albern, Episodenkrempel wie Twilight Zone und dergleichen kommen mir wie Comedy-Formate vor und Serien wie Buffy sind vermutlich tatsächlich als solche gedacht.
Dass mir Lost trotzdem gut gefällt liegt wohl daran, dass die Serie (noch) die Möglichkeit offenhält, dass eben doch keine übersinnlichen Mächte im Spiel sind und sich alles möglicherweise irgendwie erklären lässt.
The good
Die Staffel ist spannend. Es gibt auch Durchhänger, aber meistens möchte man die nächste Folge gleich anschliessen. Die meisten Charaktere sind glaubwürdig, die Hauptprotagonisten zum Teil wirklich sehr gut gezeichnet. Die Subplots, Hinweise und Doppeldeutigkeiten ergeben ein Netz von Fragen, möglichen Antworten, Interpretationen und Spinnereien, das wirklich beachtliche Ausdehnung hat und sich ohne Mindmap-Software kaum noch überblicken lässt - und wohl auch nur von wenigen Freaks tatsächlich überblickt wird.
Der Aufwand, den ABC mit der Serie in allen medialen Kanälen betreibt, ist beachtlich: Hinter allen Geheimnissen der Serie scheint die ominöse Hanso-Foundation zu stecken. Werbespots dieser Foundation wurden in Werbepausen anderer Serien gezeigt (u.a. in den USA, England und Australien), eine eingeblendete Telefonnummer konnte man tatsächlich anrufen und wurde dort mit Hinweisen auf versteckte Geheimnisse auf der Hanso-Webseite versorgt, die Foundation schaltete Anzeigen in Amerikanischen Zeitungen und dergleichen mehr.
Was man für einen Aufwand betreiben kann, um all diese Spuren zu verflogen, kann man u.a. hier sehen.
Man muss diesen Spuren aber nicht folgen: Einige Geheimnisse lösen sich irgendwann natürlich auch in der Serie auf, und glücklicherweise sind die Macher nicht so dumm, alle Fragen für alle Zeit unbeantwortet zu lassen. Eine der großen Fragen (geht die Welt unter, wenn man nicht alle 108 Minuten den Knopf drückt) wird am Ende der Staffel einfach beantwortet (nein…), wirft aber natürlich auch wieder eine Reihe neuer Fragen auf. Womit wir bei einem Problem der Serie ankommen:
The bad
Für mich kann man eine derartige Rätselstunde nicht endlos fortsetzen. Lost war offensichtlich konzipiert, eine abgeschlossene Geschichte zu erzählen, und ich denke, dass man sie auch irgendwann abschliessen sollte, auch wenn die Serie erfolgreich ist. Ich jedenfalls möchte, dass sich die Fragen irgendwann auflösen und nicht immer wieder neue Aspekte hinzukommen, nur, um die Geschichte weitererzählen zu können. Wenn mal wieder die Vergangenheit eines neuen Inselbewohners erzählt wird hat man manchmal doch das Gefühl, dass dieses Fass jetzt nicht auch noch aufgemacht werden müsste.
Zumal es durchaus Dinge zu erzählen gäbe: Wie funktioniert eigentlich das Leben der Inselbewohner untereinander? Warum gibt es nicht mehr Reibereien? Wie organisieren sie den Alltag? Warum bekommt niemand einen Inselkoller? Wieso sehen die Hauptdarsteller immer aus wie in einer Modestrecke? Die Autoren scheinen so sehr mit dem Aushecken neuer Rätsel beschäftigt zu sein, dass sie andere interessante Aspekte scheinbar ganz aus den Augen verlieren.
Als Fazit bleibt: Eine gute Staffel, ich freue mich auf die Dritte, glaube aber, dass sich das Potential der Serie abnutzt. Mit wäre es lieber, in der dritten Staffel eine Auflösung als noch mehr offene Fragen präsentiert zu bekommen.



June 16th, 2006 at 17:50
Die Produzenten haben im Podcast gesagt, die Staffel sei auf 8 Seasons angelegt. Man habe aber keinen generellen “Masterplan”, sondern denkt sich pro “Rätsel” die Lösung aus (d.h. es war bereits in der ersten Season klar, was im Hatch ist und was dort passieren wird). Das Interessante an der Serie ist (wenn wir mal davon absehen dass sie genial umgesetzt ist, sowohl schreiberisch als auch schauspielerisch), dass man einfach gespannt darauf ist, wie sich am Ende hoffentlich alles auflösen wird. Ich kann der Serie nur wünschen, dass sie in dieser Qualität durchhält, und nicht “über den Hai sprint”. Eine bessere Serie habe ich bislang nicht gesehen und ich brenne darauf, endlich die dritte Staffel zu sehen.
June 16th, 2006 at 17:50
Ähm…”Staffel” im ersten Satz bitte gedanklich durch “Serie” ersetzen ;)
June 17th, 2006 at 09:16
Acht?! Das ist verdammt viel und ich bin mir sicher, dass sie das mit den bisherigen Mitteln nicht reissen können. Ich könnte mir gut zwei Staffeln aus der Sicht der “Others” vorstellen (zumal die Hauptdarsteller ja gerade dort hintransferiert wurden…), aber dann? Naja, ich lasse mich überraschen.
June 27th, 2006 at 01:16
mmmh, hat jemand das buch ‘bad twin’ gelesen…?
The novel Bad Twin was released by fictional author Gary Troup, who was aboard Oceanic Flight 815. This is, apparently, the manuscript that was being read by Sawyer a few weeks ago, and it is also rumored that the book was written by Stephen King. The foundation released a disclaimer for the novel, which can be found here. The directory is not protected, you can also find more here.
June 27th, 2006 at 11:56
Nein, habe es aber gerade bei Amazon gefunden. Ich glaube aber, dass ich nicht bereit bin, die Zeit auch noch zu investieren… das sollen sie mir mal schön in der dritten Staffel erklären.