communication breakdown (it’s allways the same)
Flickr hat sich internationalisiert. Das hört sich doller an, als es ist: Die Oberfläche kann man jetzt in verschiedenen Sprachen bekommen – oder auch nicht: Einige Schaltflächen sind jetzt einfach überhaupt nicht mehr beschriftet. Im Zuge dieses dollen “Rollouts” hat man sich überlegt, die ganze Seite für die jeweiligen Länder rechtskonform zu gestalten (solange die Seite auf Englisch ist muss man das natürlich nicht) und ergo alle Bilder, auf denen primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale zu sehen sind (oder auch gar nichts besonderes) für Flickrianer aus Schurken- und Folterstaaten zu sperren. Und für Flickrianer aus Deutschland.

(Photo: mactiste iPons)
Nun ist es nicht so, dass man in Deutschland keine Geschlechtsmerkmale anschauen dürfte – erst recht nicht, wenn man volljährig ist und dies u.a. dadurch unter Beweis gestellt hat, dass man seine Pro-Mitgliedschaft mit einer Kreditkarte bezahlt hat. Und ist ja auch nicht so, dass es in Deutschland keine Möglichkeiten gäbe, einen Altersnachweis für Online-Angebote zu erbringen. Aber all das ist schon tausendfach ausgeführt worden – und die Tatsache, dass Flickr die Änderungen einfach zurückgenommen hat (für einige vollständig, für andere sind “restricted”-Bilder immer noch gesperrt) ist ja der deutlichste Hinweis, dass die Massnahme überflüssig war.
Was aber mal wieder völlig in die Hose gegangen ist, ist die Kommunikation: Flickr hat die ganze Angelegenheit nicht nur nicht angekündigt, sondern hat auch während die Welle der Entrüstung durch On- und Offline-Medien schwappte nicht vernünftig Stellung bezogen. Kein ordentliches “Tut uns leid, war Scheisse – wir haben es gemacht weil: …” bis heute. Kann daran liegen, dass sie selber nicht wissen, warum sie das alles gemacht haben – man weiss es nicht. Das Geheule der Flickrianer, Flickr habe den “community-geist verraten” u.ä. braucht man dazu gar nicht bemühen – Yahoo hat sicher keine geschätzten 30.000.000$ auf den Tisch gelegt, um eine Hippie-Kommune zu bekommen.
Die Quittung haben sie so oder so bekommen: Für so viel schlechte Presse muss man sich sonst deutlich mehr ins Zeug legen, und die deutschen Pro-Flickrianer laufen in Scharen zu anderen Diensten wie zooomr oder ipernity über – viele löschen ihre Flickr-Konten gleich ganz, andere laden einfach nichts neues mehr hoch. Und ich?
Ich nutze Flickr, weil ich einen angemessenen Rahmen für meine Bilder will. Möglichst viele Leute sollen meine Bilder (und eben nur Bilder) ohne grösseren Aufwand sehen können. Und ich möchte möglichst viele Bilder finden – am besten mit CC-Lizenz – wenn ich ein bestimmtes Motiv suche. Ich habe einen Zooomr-Pro-Account, den ich mal umsonst bekommen habe, aber leider kann ich bei Zooomr die “Passwort vergessen”-Funktion nicht mehr finden und den Dienst deshalb nicht nutzen – da hilft auch kein noch so starkes Anti-Zensur-Statement. Ipernity geht (auch) als extradreiste Flickr-Kopie plus Video plus Audio plus Blog plus Furz plus Feuerstein an den Start – alles Sachen, die ich nicht will und brauche. Ich will eine Online-FOTO-Plattform – sonst nix. Kürzlich habe ich zum ersten mal die Lizenz für ein Foto verkauft, dass eine Agentur auf Flickr gefunden hatte – auf ein solch freudiges Ereignis müsste ich bei anderen Webseiten mit viel weniger Nutzern vermutlich lange warten. Auf lange Sicht mehrgleisig unterwegs zu sein ist auch keine Alternative, da man viel zu schnell den Überblick verliert.
Trotzdem werde ich es erst einmal so halten – leider sind viele nette Leute, die ich über Flickr kennengelernt und inzwischen offline kennengerlernt habe, mit wehenden Fahnen zu anderen Diensten übergelaufen – damit ich sie nicht aus den Augen verliere, muss ich wohl erst einmal die Mehrarbeit in Kauf nehmen. Im April läuft mein Flickr-Pro-Account aus, dann werde ich entscheiden, wie (und wo) es weitergeht.

