Folklore

Gestern war also der “Probelauf” für den richtigen G8-Protest in Hamburg. Die Demonstrationsroute war ungeschickterweise vom Spielbudenplatz aus geplant - das führte dazu, dass die Demonstrantenverteilung am Anfang in etwa so aussah: 20% “schwarzer Block” + besoffene Punks, 20% Presse, 20% Hobbyfotografen (count me in), 20% originäre G8-Demonstranten, 10% Berufsdemonstranten, 10% Besoffene, die noch von der Nacht auf der Reeperbahn übrig waren (inkl. Jungesellenabschied und allen Schikanen).

Fuck Reeperbahn

Selbst die Gruppe derer, die zum friedlichen Protestieren gekommen war (und dass mich keiner falsch versteht: ich finde es vollkommen richtig, das zu machen) war sich in ihrer Stossrichtung nicht so ganz einig: Soll man den Gipfel verhindern wollen oder nur die Agenda beeinflussen? Die Rechte der Homosexuellen stärken? Die Pressefreiheit? Gegen Atomstrom und/oder Armut sein? Der Umstand, dass die G8 oder die ASEM im Grunde mit allen zu tun hat führt zwangsläufig dazu, dass auch die Demonstranten natürlich nicht mit einer Stimme sprechen können und dann umso weniger gehört werden.

NOCH weniger. Denn wenn selbst die Veranstalter der Demo mittendrin abbrechen, weil es “keinen Sinn hat, eingekesselt durch die menschenleere Innenstadt zu marschieren”, dann ist über den Effekt einer solchen Demo eigentlich das meiste gesagt.

Was haben wir gelacht!

Was bleibt? Bei allen Beteiligten und Unbeteiligten das baffe Erstaunen über die inzwischen grotesk unverhätnismässigen Polizeieinsätze bei Demonstrationen in Hamburg. Das jetzt tatsächlich endlich “tausende” (Tagesthemen) Polizisten eine solche Demo begleiten kann nun wirklich niemand mehr nachvollziehen - und um dem ganzen nochmal einen ganz anderen Twist zu geben: Ich habe auch überhaupt keinen Bock, den ganzen Aufmarsch zu bezahlen. Die Spacken, die zum Krawallmachen gekommen waren, hätte man auch mit einem Bruchteil des Aufgebotes in die Hauseingänge des Schanzenviertels spritzen können und alle unbeteiligten würden sich nicht wie in einem Polizeistaat-Film vorkommen.

PS: Wann genau hat eigentlich diese Unsitte angefangen, dass die Demo-Lautsprecherwagen “Musik” spielen, wenn es scheinbar nichts zu sagen gibt?

7 Responses to “Folklore”

  1. zurg Says:

    die spacken, die zum krawallmachen gekommen sind bitte nicht in der schanze bewässern, da ist schon genug los: jeden tag tatütata bis zum abwinken und polizeikolonnen, die ca. alle 15min ein neues plätzchen zum lauern am jeweils anderen ende der schanze beziehen. immerhin: keine permanente helikopterüberwachung mehr.
    zu den anderen: wollt ihr was erreichen oder ist das nur das stadtlevel in eurem autonomen egoshooter-traum ???

  2. zurg Says:

    ach ja:
    hattest du auch einen helm beim fotografieren auf ??
    (hab ich bei den pressekollegen gesehen - generation styropor-helm - nur in schwarz, sind halt fotografen)

  3. Herr Herrner Says:

    Ich hab’ ja nur Fotos von offiziellen Teil gemacht - da war noch keine Helmpflicht. Wenn ich nochmal hingehe nehme ich aber Fahrrad- oder Motoradhelm mit (beide rot) - oder reicht eine Schwimmbrille?

  4. zurg Says:

    schwimmbrille nur in kombination mit knieschützern

  5. mansenmann Says:

    ich kenne einen, der sich bei einer ähnlichen veranstaltung das handy von nem wasserwerfer aus der hand schiessen liess. kunststück, oder? es gibt sogar filmische beweise, bin gespannt, wann die im netz auftauchen.

  6. Herr Herrner Says:

    Mit Absicht? Das wäre mal ein Stunt. Die Polizei will ja jetzt Gummigeschosse, da könnte man sicht tolle Wilhelm Tell-Szenarien vorstellen!

  7. Hannes Says:

    (Ist ja jetzt schon wirklich uralt der Post, aber besser spät als nie kommentieren:) War auch auf der Demo und Deine Standpunkte kann ich vorbehaltslos unterschreiben. Guter Post.

Leave a Reply